Unsere Zeitzeug:innen

Sechs Überlebende sechs Überlebensgeschichten.

Batsheva Dagan, Sally Perel, Eva Erben, Miriam Brudermann, Mieczyslaw Grochowski und Regina Steinitz haben als junge Menschen während der Nazizeit Unvorstellbares erlebt und überlebt. Sie gehören zu den letzten Zeitzeug:innen der Shoah. Im Lerntool beantworten sie mehr als 20 Fragen, die Jugendliche auch viele Jahrzehnte später beschäftigen und bewegen. In den Antworten geht es um Hass und Unterdrückung, um Teenagersorgen, aber auch um Lebensentwürfe und den Wunsch nach Frieden und gutem Zusammenleben.

Die Fragen für das Lerntool wurden zuvor in verschiedenen Schulen gesammelt. Auch die Interviews wurden von Schülern selbst geführt, die meisten bei den Überlebenden zuhause in Israel.

„Ich habe vom Lernen geträumt. Mir hat die Schule sehr gefehlt.“

Batsheva Dagan

Batsheva Dagan floh 1941 von Lodz/Polen nach Deutschland, wo sie mit falscher Identität als Dienstmädchen im Haus eines Nazis arbeitete. Sie wurde verraten, verhaftet und nach einer Odyssee durch zahlreiche Gefängnisse nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte den Todesmarsch und wurde 1945 bei Lübz befreit.

Nach dem Krieg wanderte Batsheva nach Israel aus und arbeitete als Psychologin. Sie hat viele Bücher zum Thema Holocaust für Kinder geschrieben.

Sally Perel

Salomon Perel wurde als 16-Jähriger von der Wehrmacht gefangen genommen. Er verleugnete seine jüdische Herkunft und gab sich als volksdeutsches Waisenkind aus. Vier Jahre lang überlebte Sally mit einer erfundenen Identität in einem Hitlerjugendinternat, als jüdischer Junge umgeben von Nazis.

Außer seinen Brüdern hat kein Mitglied der Familie die Shoah überlebt. Nach dem Krieg zog Sally nach Israel. Seine Geschichte wurde durch den Kinofilm „Hitlerjunge Salomon“ weltbekannt.

„Ein Teil von mir wurde Hitlerjunge und ein Teil ging in den Untergrund.“

„Du warst kein Mensch in deren Augen.“

Regina Steinitz

Regina Steinitz wurde 1930 in Berlin geboren. Als der Vater ins Exil fliehen musste und die Mutter verstarb, kam sie mit ihrer Zwillingsschwester Ruth in ein jüdisches Kinderheim, später zu Pflegeeltern. 1943 wurden sie von der Gestapo abgeholt und konnten nur durch die Hilfe eines christlichen Onkels der Deportation nach Auschwitz entgehen. Alle Freundinnen und Freunde, ihre Lehrkräfte und engen Bekannten wurden in Konzentrationslagern ermordet. Nach dem Krieg wanderten die Schwestern nach Israel aus.

Miriam Bruderman

1938 floh Miriam Bruderman mit ihrer Familie aus der Eifel nach Berlin, um dem Transport ins KZ zu entgehen. Ab 1942 tauchte die damals 12-Jährige unter falschem Namen auf einem Hofgut in Berlin-Kaulsdorf unter. Der Hofherr war beim Sicherheitsdienst der SS. Die Gutsfamilie wusste von ihrer jüdischen Identität und wurde von Miriams Eltern für den Unterschlupf bezahlt. 1947 wanderte sie nach Israel aus und half beim Aufbau des Staates. Ihre Geschichte kann man im Buch „Zwischen Dornen und Blüten“ nachlesen.

„Niemals habe ich ‚Heil Hitler’ gesagt.“

„Auf einmal ist die ganze Welt zusammengebrochen.“

Eva Erben

Eva Erben wurde 1930 in der Tschechoslowakei geboren. 1941 wurde sie mit ihren Eltern erst nach Theresienstadt deportiert, später nach Auschwitz. Auf dem Todesmarsch wurde sie in einem Kuhstall vergessen und konnte fliehen. Tschechische Bauern fanden sie und versteckten sie bis Kriegsende. Ihre Eltern kamen beide während der Shoah ums Leben. Nach dem Krieg zog Eva nach Israel. Sie hat mehrere Bücher über ihre Kindheit und Jugend geschrieben, u. a. „Mich hat man vergessen“.

Mieczysław Grochowski

Mieczysław Grochowski wurde 1939 in Polen geboren. Als sein Vater 1943 die Aufnahme in die „Deutsche Volksliste“ verweigerte, wurde seine Familie von den Nazis zur Zwangsarbeit in ein so genanntes „Polenlager“ nach Potulice verschleppt. Die Zustände waren vergleichbar mit denen eines Konzentrationslagers. Sie lebten dort 14 Monate unter schlimmsten Bedingungen, sein Vater starb während dieser Zeit. Nach dem Krieg wurde Mieczysław Musiker. Erst im Rentenalter begann er mit Schülern über seine Kindheit im Lager zu sprechen.

„Das Leben war nur Angst, Hunger und Kälte.“

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